MEINE ANONYMITÄT

Das ist wohl das am Schwierigsten zu verkaufende Element an der Idee des persönlichen Förderkreises: ich möchte gerne meine Anonymität wahren. Zu dem Zweck habe ich meinen Namen auf dieser Website geändert, und auch die Bankdaten, die durchgegeben werden im Falle, dass ihr mich unterstützen wollt, sind nicht meine Bankdaten, sondern die Daten einer vertrauten Person, die das Geld an mich weiterschickt. Warum? Das am Häufigsten genannte Gegenargument zur Anonymität ist: „Steh doch zu dem, was du tust!“ Hierunter meine Antwort darauf.


  1. Einige der politischen Aktivitäten, die ich tue (beschrieben unter ‚Meine Methoden’), beinhalten illegale Aktionen unter Einsatz meines Körpers, wie zum Beispiel das Besetzen eines Baumhauses oder Schienen einer Kohlebahn im Kohleabbaugebiet. Wenn ich mit meinem Namen dafür einstehe, werde ich mit einiger Sicherheit staatlicher Repression ausgesetzt: ich werde Unterlassungserklärungen unterschreiben müssen, dass ich an keiner politischen Aktion teilnehme. Wenn ich es doch tue, erwarten mich enorme Geld- und eventuell auch Freiheitsstrafen.

  2. Zusammen sind wir stärker: es muss für jede*n möglich sein, politisch aktiv zu sein, und nicht nur für Menschen, die das Privileg eines Passes haben. Durch meine Anonymität solidarisiere ich mich mit Menschen ohne Pass, Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, Beamt*innen des deutschen Staates ihr Ausweisdokument vorzuzeigen. Wenn wir als Gemeinschaft uns alle darauf einigen, unsere Identität nicht preiszugeben, können wir gemeinsam als anonyme Masse agieren, was uns stärker macht!

  3. Ich bin gegen den Überwachungsstaat. Szenarien aus George Orwell’s 1984 sind realer, als manch eine*r sich eingestehen möchte. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der die Handlungen eines*r Jeden mitverfolgt und gespeichert werden, und in denen Menschen, die regelkonform handeln, bevorteilt werden. Stellt euch hierfür eine Gesellschaft vor, in der beispielsweise Menschen einander gegenseitig bei Regelübertretungen verpetzen, weil sie so selbst beim Staat Punkte oder Prämien sammeln, mit denen sie sich Staatsleistungen kaufen können. Andersherum werden Menschen Punkte abgezogen, wenn sie sich beispielsweise an einer Demonstration beteiligen (ein solches System wird gerade in 43 Städten und Bezirken in China getestet). Solche Systeme setzen sich derzeit besonders gut durch, weil Menschen so bereitwillig ihre persönliche Informationen mit jedem*r im Netz teilen. Ich möchte gerne, dass möglichst wenig meiner persönlichen Informationen an die Öffentlichkeit geht und potentiell verwertet wird. 

  4. Ich möchte keine Heldin sein. „Steh doch zu dem, was du tust!“ passt für mich in eine Gesellschaft, in der wir viel Wert darauf legen, uns persönlich zu profilieren. Mir ist es wichtig, dass für die Werte und Ideale, die ich anstrebe, gestritten wird. Es ist weniger wichtig, dass Menschen wissen, dass ich das bin, die dafür streitet. In Zeiten von persönlicher Selbstvermarktung auf Instagram und Co. ist das vielleicht nicht intuitiv. In anderen Worten: ich möchte keine Marke sein. Ich möchte nicht, dass der Fokus auf mir als Person liegt, anstatt auf der Arbeit und den Werten, die ich vertrete. Zusammenfassend glaube ich, dass meine Arbeit von Vielen gemacht werden kann und gemacht wird. Ich möchte mich nicht in den Vordergrund stellen und somit andere in den Hintergrund rücken. Wir können alle gemeinsam politische Veränderung bewirken, und ich bin nur ein Teil des großen Ganzen!

 
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